Doorkeeper: „Ihr kommt alle hier rein!

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Da bin ich nun also wieder. 12 Wochen später. Habe den schweren Koffer die Treppe hinauf gehievt. Als hätte ich beim Auszug nur einen Schlafanzug im Gepäck gehabt und kehrte nun mit 5 vollwertigen Personen inklusive persönlicher Habseligkeiten zurück. Die dicke Luft in der Wohnung mit meinem müden Körper durchschnitten und erstmal alle Fenster aufgerissen. Nicht zu vergleichen mit den sogenannten „Belastungserprobungen“, wo ich nur einen Tag auswärts der Klinik verbrachte. Ich fühle mich jetzt anders und anders ist erstmal auch befremdlich. Impulse wie 1.) Entrümpeln 2.) alles bunt anmalen 3.) das Sofa aus dem Fenster schmeißen und anderer Scheiß, schießen wild durch meine Eingeweide. Ich denke, ich bin hier in den ersten 30 Minuten schon komplett überfordert. Ich fühle: „What the FUCK ist going on right now?“. Atmen. Atmen hilft immer. Vielleicht auch baden. Erden. Die meisten Patienten auf der Station waren bereits mehrmals dort. Es lagen immer einige Monate dazwischen. Ich wünschte, ich könnte das für mich rigoros ausklammern. Ich wünsche mir auch, dass ich aus den vielen Anteilen in mir, die ich derzeit wie eine (wohlgemerkt einfühlsame) Dompteuse auf ihre Plätze verweise, nicht irgendwann ein verbales „WIR“ mache, obwohl dies offenbar sogar zum Prozess der vollständigen Integration gehören soll. Ich will ich sein, wenn auch vielseitig und bunt. Und ich kann dieses „WIR“ zwar tröstlich fühlen und doch wäre ich irgendwie jetzt gerade sogar lieber alleine…und woanders…Hütte im Wald…aber dafür ist es jetzt zu spät. Im Grunde genommen geht es jetzt erst richtig los. Und wenn ich nicht jeden Tag mindestens meine 3000 Worte schreibe, würde ich sogar nicht ausschliessen doch noch „des Wahnsinns fette Beute“ zu werden. Also schreibe ich. Nicht nur hier, nicht nur bei Twitter. Das Manuskript lechzt und fletscht die Zähne…zu gleichen Teilen, wie es mir eine Zuflucht eröffnet. Was für ein Trip. Und an dieser Stelle bin ich nochmals doppelt froh, dass ich das alles ohne Medikamente erlebe, dass ich klar und nüchtern sagen kann: „Diese Freakshow bin verdammt nochmal ich!“

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5 Gedanken zu “Doorkeeper: „Ihr kommt alle hier rein!

  1. Ich wünsche dir erstmal ein gutes (wieder) Ankommen.
    Ich glaube auch, dass ein „Wir-Gefühl“ (und schon gar kein „gemusstest“) auch ein „Ich und die anderen-Gefühl “ sein darf und das genauso okay ist, wie alles andere, solange es sich gut anfühlt 😊
    Ich bin auch gerade schwer dabei zu versuchen, „mich und die anderen“ in irgendeine Art von Einklang zu kriegen.
    Alles Liebe, MrsTingley

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    1. Die Bilder, die ich in der Zeit dort gemalt habe, helfen. Nachdem ich sie an die Wand gehängt hatte, kehrte schon mehr Ruhe ein. Irgendwie scheint es auch um „Wertschätzung“ zu gehen… Beachtet werden. Dann ist schon mehr Harmonie spürbar. Ganz lieben Gruss.

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  2. Da bist Du wieder – ich sitze hier auf der Arbeit, die Uhr zeigt 7 Uhr an, mit müden Augen lese ich und denke „ wow – was für ein Kampf hast Du hinter Dir gebracht ?! Aber das liebe und schätze ich so an Dir, Du bleibst niemals stehen, manchmal rennst du in Lichtgeschwindigkeit aber Du findest immer wieder Deinen Rhythmus, dadurch kommst Du weiter und weiter und weiter. Nichts hält Dich auf , nicht die Traurigkeit, nicht die Angst, nicht die Müdigkeit und auch nicht diese verdammte Ohnmacht. Du bist ein Schatz mit vielen tollen und Wertvollen Schätzen in Dir. Ich freue mich mehr von Dir zu hören und zu lesen. Lieben Gruß von uns Eck

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